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Straubinger Trinkwasser - Rückzug aus der Tiefe


 

Hintergrund:
In einer landwirtschaftlich so intensiv genutzten Region wie dem Gäuboden, werden auch entsprechend mineralische Düngemittel eingesetzt. In den 90er Jahren war die Nitratkonzentration des aus den Quartärbrunnen geförderten Trinkwassers (13 - 18 m Tiefe) bereits bis knapp unter den Grenzwert der Trinkwasserverordnung gestiegen. Zugleich mussten neue Brunnen gebaut werden, da die ältesten Brunnen ihre kritische Lebensdauer erreicht hatten und außerdem die Stadt Straubing Raum zur Ausweisung von neuen Baugebieten benötigte.
Seit 30 Jahren  wird  deshalb etwa die Hälfte des Straubinger Trinkwasserbedarfs durch drei Tertiärbrunnen gedeckt. Das aus bis zu 160 m Tiefe geförderte Wasser ist 10.000 – 30.000 Jahre alt und deshalb frei von den Schadstoffen unserer Industriegesellschaft.
Die Tiefenwässer genießen besonderen Schutz. Die wasserrechtliche Genehmigung zur Nutzung läuft bereits 2022 aus und war mit einem Sanierungskonzept für die Quartärbrunnen verknüpft. Es war also von Anfang an geplant, diese Ressource langfristig weniger bzw. gar nicht mehr zu nutzen und für künftige Generationen zu schonen. 

Grundwasser hat ein langes Gedächtnis, aber die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft im Wasserschutz- und Kooperationsgebiet zeigt mittlerweile Wirkung. Die Nitratbelastung des Grundwassers im Zustromgebiet der Flachbrunnen ist seit den 90er Jahren um 15 mg/l gesunken und liegt im Mittelwert knapp über 30 mg/l. Damit zählt der Grundwasserableiter nicht mehr zu den stark belasteten Gewässern. Im Mischwasser ergeben sich z.Zt. 18 mg/l Nitratbelastung.

 Wie bereits im Dezember 2018 im Straubinger Tagblatt angekündigt, werden die Stadtwerke das Mischungsverhältnis von Flach- und Tiefbrunnenwasser stufenweise verschieben -  im ersten Schritt wird ab dem 22.03.2019, dem Weltwassertag, der Anteil des Flachbrunnenwassers von 50 % auf 70 % angehoben.

Die Stadtwerke haben sich für einen stufenweisen Rückzug vom Tiefenwasser entschieden, um zu sehen, welche Auswirkungen dies langfristig auf den Nitratgehalt im Rohwasser hat. Die Fließverhältnisse im Wasserschutzgebiet sind gut erforscht. Dennoch weiß man nicht ganz genau, wie sich die Nitratwerte entwickeln, wenn wieder mehr Wasser aus dem Gebiet entnommen wird und damit auch aus den Grundwasserströmen der Umgebung mehr nachfließt. Außerhalb des Straubinger Wasserschutzgebietes sind die Nitratwerte sehr wohl im kritischen Bereich, wie der aktuelle Nitratbericht des Bayerischen Landesamtes für Umwelt zeigt. 

Durch die Veränderung des Mischungsverhältnisses verändert sich die Wasserhärte von den derzeitigen Werten zwischen 16 – 18 °dH  auf voraussichtlich 19 -21 °dH. Der Härtebereich nach dem „deutschen Waschmittelgesetz“ bleibt bei „hart“. Eine Änderung der Dosierung von Wasch- und Reinigungsmitteln ist deshalb in der Regel nicht notwendig.

Der Anstieg der Wasserhärte wird sich wegen des Mischungsverhaltens im Rohrnetz und den Speicherbehältern eventuell über einige Tage  hinziehen.

Sollten die Nitratwerte nach der Änderung der Mischverhältnisse wieder eklatant steigen, bleiben für die Stadtwerke drei Möglichkeiten: Die Erweiterung des Wasserschutzgebietes, die Anschaffung einer teuren Aufbereitungsanlage oder die erneute Beantragung auf Entnahme des Tiefenwassers. Zurückgebaut werden die Tiefbrunnen, in Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt Deggendorf, vorerst nicht. 

Anlässlich des Weltwassertages haben wir eine Zeitungsbeilage mit vielen interessanten Informationen zum Straubinger Trinkwasser zusammengestellt, die wir Ihnen mit freundlicher Genehmigung des Straubinger Tagblatts zur Verfügung stellen:

Zeitungsbeilage im Gäuboden aktuell vom 21.03.2019  (5123 kB)
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